Artikel / Interviews

Kurzinterview mit dem Kabarettisten und Schauspieler Uwe Steimle für insblaue:
Für Ihre Sendung “Steimles Welt” sind mit einen 48 Jahre alten Wartburg 312 Camping herumgereist. Ist so ein Oldtimer nicht wahnsinnig anstrengend zu fahren?
Uwe Steimle: Ich kann Ihnen sagen. Teilweise habe ich den Wagen auf über 100 km/h beschleunigt. Das fordert einem alles ab! Um das überhaupt durchzustehen, gönnte ich mir vor größeren Touren ein paar Stücke original sächsischen Sahnekuchen zur Kräftigung. Jedes Stück hat gefühlt über 1000 Kalorien. Da wird natürlich das Kopffleisch mehr. Doch was tut man nicht alles für die Kunst!
Und was haben Sie so erlebt?
Nur Wunderbares. Da gibt es einen 81-Jährigen Mann, der in einer kleinen Hütte im Wald auf der argentinischen Concertina, die ursprünglich aus dem Erzgebirge stammt, Tango spielt. Mit der Concertina ist er bei einem Festival vor 6000 Menschen aufgetreten. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er auf der Bühne einen Herzstillstand erlitt!
Und das finden Sie wunderbar?
Aber ja! Es waren drei Ärzte im Publikum, die ihn wiederbelebt haben. Jetzt spielt er wieder. Das ist doch herrlich.
Ja, doch.
In den Sendungen geht es um den Alltag, der so vielfältig ist. Ich war zum Beispiel bei einem Fleischer, der Wursträuße herstellt Mindestens so dekorativ wie ein Rosengebinde. Und da zu noch schmackhaft! Ein meisterhaftes Mitbringsel, das dem Besuchten gewiss ein Eiderdaus entlocken wird.
Haben Sie auch Trauriges erlebt?
Leider. Ich musste feststellen, dass das Däumchendrehen in Deutschland vom Aussterben bedroht ist. Niemand hat mehr Zeit dafür. Ich will mich der Herkulesaufgabe stellen, es zu retten. Und wenn ich dafür Unmengen sächsischen Sahnekuchen essen muss!

Kurzinterview mit Günther Jauch für BILD am SONNTAG zu einer Gedächtnis-Training-Sendung:
BILD am SONNTAG: Was können Sie sich nicht merken?
Günther Jauch: Ich habe ein schlechtes Namens- und Gesichtergedächtnis. Vor kurzem sagte ein Mann zu mir: “Da bin ich wieder!” Ich konnte mit ihm überhaupt nichts anfangen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass der Mann vier Tage zuvor bei “Wer wird Millionär?” 32 000 Euro gewonnen hatte.
Was war Ihr schlimmster Blackout?
Einmal habe ich tatsächlich eine “Wer wird Millionär?”-Sendung vergessen. Schließlich erreichte mich das Team in Berlin. Ich bin sofort zum Flugplatz gerast, habe das nächste Flugzeug genommen – und endlich konnten wir mit 20 Minuten Verspätung anfangen.
Gibt es auch Dinge, die Sie sich gut merken können?
Ja, aber lauter unnützes Zeug. Ich weiß zum Beispiel noch das Kennzeichen meines ersten Mopeds – BX 4352.
Toll.
Ich weiß auch noch alle Klassenkameraden aus der fünften Klasse. Soll ich mal aufzählen?
Nich unbedingt.
Auer, Baader, Bohnes, Dikert, Fock, Franke, Friske, Gerber , Heßmann, Jaucj, Jauer, Krafft, Krause . . .
. . . das reicht . . .
Kunkel, Ostwaldt, Pahlitzsch, Pöschke, Riedel, Rosenthal, Rottmann, Schmidt, Stein, Weichert, Weiland, Wiegel.
Und warum haben Sie sich die alle gemerkt?
Das habe ich leider vergessen . . .

 Bericht über das Hamburger Stadtpark-Revival für Motor-Talk:
Oldtimer Grand Prix in Hamburg. 25 000 Zuschauer sahen am Wochenende historische Autos und Motorräder im Einsatz. MT-Reporter Norbert Bogdon nahm mit seinem Lloyd LP 600 teil und berichtet über Rennrausch, Liebesabenteuer der Zuschauer und echte Teufelskerle. Von Norbert Bogdon Scheinbar locker vor dem Start Scheinbar locker vor dem Start

„Idiot“, denke ich. „Schwachkopf, Blödmann“. Ein paar Meter vor mir hat ein Herr seinen linken Arm gehoben. Mit den Beschimpfungen meine ich nicht den Mann vorn, sondern den in mir. Mich. Gleich senkt der vorn seinen Arm, und dann starte ich mit meinem kleinen gelben Lloyd LP 600 beim Hamburger Stadtparkrennen. In diesen letzten Sekunden vor dem Beginn wünsche ich mich ganz weit weg aus der Startaufstellung. Aufs heimatliche Sofa etwa. Oder nach Australien. Oder noch besser auf den Mond, die dunkle Seite. Ob mein Rennfahrerkollege Michael Schumacher auch immer so nervös ist? Der Arme! Doch dann gibt der Stewart die Strecke frei, alle Aufregung und Greinerei ist vergessen. Motoren heulen und ich heule mit meinem Lloyd mit.

Alles vergessen – jetzt geht es los

Jetzt will ich in der Klasse der Autos von 1919 bis 1959, zwischen all den Austin Healeys, Käfern, Corvettes, Morgans und Triumphs nur Spaß haben. Und wie ich den habe. Zum dritten Mal starte ich hier, zum ersten Mal ohne Beifahrer. Erstaunlich, wie extrem sich 70 Kilo weniger bei 19 PS auswirken. Der Lloyd läuft mindestens so schnell wie ein Lloyd mit 70 Kilo weniger an Bord. Ich komme mir vor wie in einem Kart, so direkt geht alles.

Dass die Vibrationen des Kleinwagens mir fast die Brille vom Kopf reißen und die Abwärme des Motors in Kombination mit den Kunstledersitzen mich schwitzen lassen wie einen Sumo-Ringer in der Sauna, stört gar nicht. Denn ich bin im Rennrausch.

Rausch der Geschwindigkeit

Lloyd hinter Käfer (© Britta Willig) Lloyd hinter Käfer (© Britta Willig)

Ich lasse meinen kleinen Lloyd durch die Kurven fliegen. So schnell, dass kaum einer mithält. Und das ist ehrlich und wahr! Zum Schluss des ersten Laufs habe ich zehn Autos überholt. Wirklich!! Und einen sogar überrundet. Ich schwöre!!! Herrgott, dass der wegen Zündproblemen ein ganzes Weilchen in einer Auslaufzone stand, ist ´ nur eine unwichtige Nebensächlichkeit. Nein, nein, ich bin grandios gefahren.

Doch weil das zu sehr nach Eigenlob klingt, veröffentliche ich lieber den Inhalt einer Mail, die mir Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck im Vorfeld zur Aufmunterung schickte: „Wer mit einem 19-PS-Boliden wie dem Lloyd LP 600 am Hamburger Stadtparkrennen teilnimmt, muss schon ein echter Teufelskerl sein. Respekt, so ein Geschoss will beherrscht sein.“ Wie Recht der Mann hat, ein prima Kerl, der Strietzel.

Probesitzen im Traumauto

Aber das Renn-Revival bedeutet ja nicht nur Tempo und Speed. Sondern vor allem auch schnacken. Etwa mit Peter, der seinen fast 80 Jahre alten dreirädrigen Morgan genauso tollkühn um den Kurs treibt wie ich meinen Lloyd. Jeder lobt den anderen für seine phänomenalen Heldentaten, und wir versprechen uns per Handschlag, dass wir bei jeder Startaufstellung mit unseren Autos die Nähe des anderen suchen. Schließlich machen gemeinsame Duelle noch mehr Freude.

Porsche  904 Carrera GTS Porsche 904 Carrera GTS

Beim Stand des Hamburger Prototyp-Museums schmeckt der Kaffee besonders lecker. Mit dem Besitzer Oliver fachsimple ich über diese und jene Kurve, während neben uns der Porsche Carrera 904 Carrera GTS für das nächste Rennen warmläuft. Und dann überredet er mich, in seinen Rometsch Porsche Spyder von 1953 zu klettern. Das ist irre kompliziert, weil man die nur oblatendünne Alukarosse praktisch nicht berühren darf. Sonst gibt es sofort Beulen. Erst am Auto, dann vom Besitzer.

Für meine geniale Spontan-Idee, doch für den nächsten Lauf die Autos zu tauschen, kann er sich allerdings nicht erwärmen. Der Typ ist scheinbar ein komischer Kerl. Ich an seiner Stelle hätte das sofort gemacht.

Der Lloyd als Liebesmobil

Vor allem redet man aber mit den Zuschauern, die massenweise im Fahrerlager schauen und staunen. Da kann man fürs Leben lernen: Ein älterer Herr erzählt mir, dass er in jungen Jahren einen Lloyd fuhr. Vor einer Ausfahrt mit dem Mädchen seines Herzen entfernte er listig die Verstellschrauben des Liegesitzes. Bei einem Halt genügte ein Handgriff, der ganze Sitz kippte mit der Dame in die Liegeposition – und schwupps, kam es zum Austausch erster heißer Küsse und noch mehr. 51 Jahre glückliche Ehe sind die Folge. Und noch ist kein Ende in Sicht.

Schöne Aussichten

Siemens Protos-Rennwagen Siemens Protos-Rennwagen

Und wenn man nicht selbst fährt oder plaudert, guckt man natürlich eins der zahllosen Rennen. Wagemutige Motorradfahrer rasen in atemberaubenden Schräglagen durch die Kurven, GT-Wagen brennen Gummispuren in den Asphalt. Wo sieht man schon in zwei Meter Abstand einen Mercedes SSK von 1929 mit seinem Kompressor vorbeidonnern, dichtgefolgt von einem gigantösen Protos-Rennwagen (Baujahr 1921) mit sieben Litern Hubraum? Nur beim Hamburger Stadtparkrennen.

Wie nannte ich mich oben wegen meiner Teilnahme beim Stadtpark-Revival? Idiot? Schwachkopf? Blödmann? Was für ein hanebüchener Unsinn! Ein famoser Kopf bin ich, dass ich daran teilnehme. Und natürlich bin ich nächstes Jahr auch wieder dabei. Aber so was von!


Lange Zeit hatte Loriot keine Interviews mehr gegeben. Bei Norbert Bogdon machte er eine letzte Ausnahme und beantworte ihm einige Fragen für BILD am SONNTAG.
Er brachte uns bei, dass ein leises Lachen befreiender sein kann als lautes Schenkelklopfen. Doch was wir zuletzt über Vicco von Bülow hörten, hat uns besorgt. Gott sei Dank waren diese Sorgen fast unbegründet, wie wir hier sehen und lesen

Von NORBERT BOGDON

Am 24. April 2009 bekam Vicco von Bülow, der Edelmann der feinen Pointe, in Berlin den Ehrenpreis des Deutschen Films; er nimmt die Auszeichnung an, er bedankt sich mit einem Lächeln und mit klugen Worten.
Dann verneigt sich Herr von Bülow vor dem Publikum, das ihm stehend applaudiert, er verlässt die Bühne. Vicco von Bülow entzieht sich fortan der Öffentlichkeit, die von ihm geschaffene Kunstfigur Loriot nimmt er mit.
Keine neuen Sketche, keine Interviews, keine Fernsehauftritte. Er ist auch zu keiner Preisverleihung mehr gegangen. Er war einfach weg.
Zuletzt hieß es, das Laufen fiele ihm schwer, er habe Probleme mit den Bandscheiben und dem Rücken. Auch seine Tochter Susanne, 53, sei in seine Nähe gezogen, um sich besser um ihn kümmern zu können.
Susanne von Bülow ist am Telefon, als BILD am SONNTAG im Büro von Loriot anruft, man ist besorgt, würde gern hören, dass es dem 87-Jährigen besser geht.
Die Tochter kümmert sich seit einiger Zeit um die Archivierung des Loriot Werks. “Ich unterstütze meinen Vater beim Ordnen seiner Arbeiten, deren Umfang mich ziemlich überwältigt”. Vater und Tochter sichten Tausende von Zeichnungen, scannen sie ein, vermerken wann und wo sie zuerst erschienen sind.
Die Frage nach einem Interview mit ihrem Vater lehnt sie freundlich ab, macht aber einen anderen Vorschlag: “Wie wäre es, wenn Sie uns Ihre Fragen mailen würden?”
Natürlich wollen wir wissen, wie es Loriot geht, möchten wissen, was er macht, ob es noch Pläne gibt, Ideen, Projekte und Wünsche. Und ob Susanne von Bülow wirklich von Rom zu ihren Eltern an den Starnberger See gezogen ist, damit sie sich intensiver um den Vater kümmern kann.
“Totaler Blödsinn!”, hat sie schon am Telefon geantwortet und wird jetzt noch konkreter: “Ich bin nicht zu meinen Eltern gezogen. Es hatte sich aus privaten Gründen ergeben, dass ich nach 30 Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt bin.”
Mail-Frage an den Vater: Wie geht es dem Körper, der Seele? Mail-Antwort: “Dazu fällt mir keine passende Antwort ein . . . , jedenfalls konnte ich früher schneller laufen.”
Verlassen Sie gern das Haus? “Derartige Fragen beantworten sich leichter im Bereich überfüllter Strafanstalten.”
Man ist ein bisschen traurig, fühlt mit. Schmunzelt aber auch. Alles in allem also: Ziemlich tolle Antwort von dem alten Herrn . . .
Noch immer arbeitet Loriot, der an der Kunstakademie in Hamburg Malerei und Grafik studierte und 1950 seine ersten Cartoons veröffentlichte, an Zeichnungen. Er nennt sie “Nachtschattengewächse”, seit fünf Jahren gehören sie zum Loriot Kosmos.
Es sind surreal anmutende kleine Gemälde in Postkartengröße. Auf seinem Nachtschränkchen hat Loriot einen Schreibblock liegen, auf dem er, wenn er nachts wach wird, seine Träume notiert. Tagsüber werden daraus, mit Blei- und Buntstiften gezeichnet, die “Nachtschattengewächse”.
Ist das ein Zeitvertreib? “Mit großer Neugier begegne ich dem Wachstum nächtlicher Schatten. Nichts wird vertrieben, alles wird ebenso geliebt wie verwurstet”, erklärt Loriot dazu.
Vier Stück, davon drei noch nie gezeigt, schickt er BILD am SONNTAG mit der Erlaubnis zur Veröffentlichung. Loriot hat Spaß dran, auch mit 87 Jahren noch zu arbeiten, ohne den Termindruck, den er früher oft hatte. Diese Bilder, das darf vermutet werden, sind die Freuden seines Alters. Und die Lasten? Seine Mail blinkt auf: “Leider erfordert diese Frage eine unerfreuliche Antwort: Zu meinen jugendlichen Altlasten gesellten sich in den letzten Jahren überflüssige Probleme mit den Augen. Zum Beispiel sehe ich so manches doppelt, was mir schon einmal völlig ausreichen würde.”
Vielleicht ist Vicco von Bülow an seinem Computer gerade wieder zum Loriot geworden, auf jeden Fall schickt er uns Antworten, die jeden Sketch-Dialog zum Funkeln bringen würden.
Banale Frage: Was tun Sie, wenn Sie nicht zeichnen? Funkelnde Replik: “Im Moment versuche ich Fragen zu beantworten, die einen eigentlich nur interessieren, wenn man auf die 90 zueilt.”
Welche Augenblicke genießt er besonders? “Entweder Einfälle zu haben, von denen man glaubt, sie seien neu, oder in meinen Lieblingsrestaurants zu sitzen und zu essen.”
Wir, mutig geworden, wagen einen letzten Vorstoß: Ist eine Rückkehr in die Öffentlichkeit tatsächlich vollkommen ausgeschlossen? Die Antwort, diesmal keine Pointe, keine Scherzerei, ohne Spielraum für Interpretationen: “Meine öffentlichen Auftritte werden sich auf meine Lieblingsrestaurants beschränken!”
Abschlussfrage an Tochter Susanne: Womit können Sie Ihren Eltern Freude machen? Gibt es ein Lieblingsessen, das Sie kochen, bringen Sie Blumen mit oder erzählen Sie lustige Geschichten? “Ich bin eine miserable Köchin, Blumen haben wir im Garten und für die lustigen Geschichten ist mein Vater zuständig.”
Vicco von Bülow erzählt inzwischen auch die traurigen Geschichten. Aber er kann sie so erzählen, dass niemand weinen muss.

 

 

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